Geben wir es doch ehrlich zu: Unter Oma verstehen wir doch vor allem so etwas wie die legendäre Briefkastenoma aus der Sesamstraße - oder die Vorspeise des Wolfes im Rotkäppchen-Märchen. Mit Oma verbinden wir Werbung für Kukident-Gebissreiniger oder Klosterfrau Melissengeist, dazu Seniorenheime, Handtaschendiebstähle, Goldene Hochzeit, Kinder-Parkplatz und Musikantenstadl. Aber doch nicht die rattenscharfe Nena!
Kann das denn alles wahr sein? Bereits mit ihrem allerersten Hit hat Nena uns immerhin frühzeitig gewarnt: „Nur geträumt". Das war 1982 und ist nun bald 30 (!) Jahre her. Zum Glück haben wir mit Nena aber eine Konstante, die sich ganz offensichtlich in diesen drei Dekaden nahezu nicht verändert hat. Okay, die Frisuren wechselten zwischendurch, doch das ist eher sekundär. Ansonsten aber: alles gleich - und einfach klasse.
Mit 49 Oma, das ist alles andere als außergewöhnlich. Wir nehmen das nur wenig wahr. Vielleicht auch, weil heutzutage viele Menschen in diesem Alter schulpflichtige Kinder haben, sofern sie bereits eingeschult sind ... Doch Nena öffnet uns nun einmal mehr die Augen. Wenn aber Nena nicht die einzige Oma mit 49 ist und es also eine ganze Reihe davon gibt - dann stimmt folglich unser Oma-Bild nicht. Sprechen wir künftig also nicht mehr vom tattrigen Mütterchen aus der Nachbarschaft, sondern besser von der scharfen Oma von nebenan? Vielleicht sollten wir uns umstellen. Die Welt ist halt im Umbruch - und weil die Oma an sich ein Teil der Welt ist, lässt sie sich aus diesem Prozess nicht ausschließen.
Unser Dank an Nena sollte aber auch noch in eine zweite Richtung gehen: Bislang wussten doch viele junge Frauen kurz vor ihrem 30. Geburtstag alles über Suizid-Techniken. Das muss nun nicht mehr sein. Denn Nena macht es uns doch vor: Es gibt ein Leben nach der 30 - und mit „Gammelfleisch" hat das nichts zu tun! Am 24. März, also unmittelbar nach Frühlingsbeginn (!), wird Nena 50. Da sollten wir ihr alle freudig gratulieren. Nicht, weil Nena vielleicht die schärfste Oma Deutschlands ist, sondern vor allem, weil sie uns immer wieder das Leben versüßt und Hoffnung gibt. Nena, Du bist und bleibst eine Göttin! Aber hoffentlich ist alles nicht nur geträumt ...
H.G.